Der Workshop "Positive Klimakommunikation" fand in Kooperation mit der Klimaschutzagentur energiekonsens im Rahmen der 11. Denkwerkstatt Klimaschutzstrategie am 25. Februar 2026 in der Kunsthalle Bremen statt. Als Experte für Klimakommunikation war Michael Krieger von dialogedigital zu Gast, um mit den 25 Teilnehmenden zu arbeiten.
Als Einstieg in den ersten Teil des Workshops - die "Psychologie der Klimakommunikation" - diente der Slogan "Warum Klimaschutz im Kultursektor über Menschen geht - nicht nur über Fakten": Die Tatsache, dass es in Zeiten der Klimakrise dringenden Handlungsbedarf gibt, ist seit Langem bekannt und ausführlich erforscht. Trotzdem geht Klimaschutz oftmals nur langsam voran. Und das liegt, so der Referent, nicht an fehlenden Fakten zum Klimawandel, sondern an menschlichen Gewohnheiten und sozialen Rollen. Auch scheitert es nicht an fehlenden Ideen im Umgang mit dem Klimawandel, sondern an Systemlogiken (Ressourcenknappheit, Überlastung und prekären Arbeitsverhältnissen). Um diesen Barrieren begegnen zu können, braucht es Laborräume, um Komplexität zugänglich zu machen und Diskursräume, um Ambiguitäten aushalten zu können.
Wer wirksam über das Klima kommunizieren möchte, muss dementsprechend verstehen, wie die menschliche Wahrnehmung geprägt wird. Klimakommunikation ist (wie jedes andere Thema auch) vom "Kampf um Aufmerksamkeit" betroffen. Dieser ergibt sich aus folgenden Merkmalen: zunächst schlägt im Kontext von Nachrichten die Emotion die Information, das heißt, Menschen möchten bei Nachrichten überrascht, berührt oder hoffnungsvoll abgeholt werden. Der Klimawandel bedroht jedoch die Zukunft der Menschheit. Diese Bedrohung medial in den Mittelpunkt zu stellen, verstärkt auf Dauer Abwehrhaltungen statt Motivation für Handlungen. Dazu kommt, dass das Gehirn einfache Kausalitäten bevorzugt, die sich auf den Klimawandel nicht anwenden lassen.
Um Personen trotzdem mit Klimathemen zu erreichen, gilt es mit starken Bildern zu arbeiten, die das Gehirn deutlich schneller verarbeiten kann als Sprache. Für eine positive Klimakommunikation eignen sich dabei vor allem Bilder, die Menschen, ihre Handlungen, ihre Beziehungsqualitäten und ihren Alltag zeigen. Wurde in der medialen Berichterstattung über den Klimawandel lange der Fokus auf die Darstellung seiner Bedrohungen gelegt, gilt es diese Bilder der "Angst vor Verlust" (Brände, Überschwemmungen, schmelzende Pole) durch Bilder zu ersetzen, die Lust auf Zukunft machen. Für funktionierende Klima-Narrative, die zu Handlungen für eine klimaschonende Zukunft motivieren, braucht es neben diesen positiven Zukunftsbildern ein stimmiges Selbstbild, handlungsfähige Akteurinnen und Akteure und kulturelle Verankerung.
Dabei sind auch Diskurse rund um Klima von Gruppendynamiken bedingt. Um die Reaktionen von Menschen auf Klimathemen zu verstehen, gilt es sie in der Klimakommunikation mitzudenken. Diese fallen oft defensiv oder überheblich aus. Das liegt daran, dass Klimathemen unbewusst Fragen des Selbstwerts triggern. Daher geht es in der Klimakommunikation vor allem darum, transparent zu kommunizieren, an welchem Punkt im Prozess man sich befindet, was klappt, was (noch) nicht klappt und an welchen Punkten Unterstützung benötigt wird.
Der Referent schloss seinen Input mit der wichtigsten Fähigkeit im Rahmen von Klimakommunikation: Menschen in eine gemeinsame Zukunft einladen zu können, in der Handlung möglich und wünschenswert ist. Dabei geht es um die Co-Kreation von Beteiligung, Bildern, Geschichten und Räumen. Und genau dort liegt das besondere Potenzial von Kultureinrichtungen in der Klimakommunikation.