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Ausstellung "RÄUME AHNEN" in der Städtischen Galerie

Paseo de luz, 2019 - 2026, Pergamentpapier
Paseo de luz, 2019 - 2026, Pergamentpapier, Foto: Jens Weyers

In der Städtischen Galerie zeigt die Bremer Bildhauerin Rosa Jaisli in ihrer retrospektiven Einzelausstellung " RÄUME AHNEN" vielfältige Ansätze plastischer Kunst noch bis zum 26. Juli 2026. Alabasterskulpturen, Lehmgebilde, Teerpappen-Cut-outs, Stoffbündel, einen Torfhaufen, in Papier gearbeitete Schnitte und Papier als plastisches Material belegen, wie experimentell Rosa Jaisli arbeitet.

Mit großer Präzision setzt sie die spezifischen Materialqualitäten für das jeweilige Anliegen ihrer Kunstwerke ein. Sie bietet sinnliche Erfahrungen, die mit den haptischen Qualitäten des Materials und tradierten Assoziationen einhergehen. Ein Grundmotiv der Bildhauerei wird dabei zum expliziten Thema und zu einer Erfahrung für das Publikum: die Erschließung und Öffnung von Räumen.

Synapsis, 2009, Alabaster
Synapsis, 2009, Alabaster, Foto: Susanne Frerichs

Das wird in ihren Alabasterskulpturen auf einer modellhaften Ebene deutlich durch Raumanordnungen, die an Behausungen, an Siedlungen, an Raumreste erinnern und je nach Bearbeitungsgrad wie eine archäologische Ausgrabung oder wie eine Raumumhüllung wirken, die mit Ein- und Durchsichten geöffnet wird. Der Blick wird durch die Semitransparenz des bearbeiteten Alabasters ins Innere gezogen. Ähnliches ereignet sich beim Blick auf ortsspezifisch gehängte Papierbahnen, die Wände zu sein scheinen. Fensterähnliche Einrisse bestätigen die Assoziation einer Wand, öffnen aber auch die Fläche in neue Räume. Es entsteht ein Bezug zum Umraum, in dem wir uns selbst bewegen.

"RÄUME AHNEN" ist der Titel, unter dem Rosa Jaisli ihre vielfältigen Werke in dieser Ausstellung fasst. Er ist in seiner Doppelbedeutung zu lesen, denn es geht um erahnte Räume - erahnt von der Künstlerin und von den Betrachtenden ihrer Werke. Der Bezug zum Archaischen bedingt die scheinbar simplen bildhauerische Gesten (Schnitte in Papier, drapierte Papierbahnen, Wickelungen, grob verarbeitete Lehm-Gebilde, nur in Teilen bearbeitete Steine, die uns über den komplexen, langwierigen Bearbeitungsprozess täuschen). Es ist wie eine archaische Suche nach Grundmustern menschlichen Zusammenlebens, deren Schutzräume die Verwerfungen sozialer Strukturen wie Macht, Ungleichheit, Gewalt und Krieg beinhalten und so auch zu einem Gefängnis werden können.

Rosa Jaislis abstrahierende aber nicht abstrakte Setzungen berühren eine politische Ebene, die auch in ihrer Biografie begründet liegt. Die Künstlerin musste ihr Heimatland Chile 1975 während der Pinochet-Diktatur aus politischen Gründen verlassen. Sie hat die Restriktionen eines politischen Systems erfahren, in dem Räume immer Versteck oder Gefängnis sein können, Schutz bieten oder Verschwinden bedeuten.

Für Rückfragen steht Ihnen der Kurator der Städtischen Galerie Dr. Ingmar Lähnemann gerne zur Verfügung: 0421/361-5826, ingmar.laehnemann@kultur.bremen.de

Informationen zum Besuch der Ausstellung sowie zu Veranstaltungen sind auf der Website der Städtischen Galerie zu finden: www.staedtischegaleriebremen.de

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