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Maximilian von Spee (1861 - 1914)

Maximilian von Spee wurde in eine alte Adelsfamilie geboren und schlug schon früh eine militärische Laufbahn ein, was damals als standesgemäß galt. Mit 17 Jahren wurde er Kadett in der noch jungen Kaiserliche Marine. Als Leutnant zur See war er 1884/85 auf dem Kanonenboot "Möwe" an der Besitznahme von Land und der Errichtung deutscher "Schutzgebiete" in Westafrika (dem heutigen Togo) beteiligt. Die Kanonenboote sicherten mit der Androhung von Gewalt gegenüber der lokalen Bevölkerung den betrügerischen Landerwerb von Kolonialpionieren wie Gustav Nachtigal und die Einrichtung deutscher Stützpunkte ab.

1887 wurde von Spee schließlich zum Kommandanten des Hafens Douala in Kamerun ernannt. Hier war er für die Aufrechterhaltung der kolonialen Ordnung verantwortlich. Allerdings verblieb er auf diesem Posten nur einige Monate und kehrte dann krankheitsbedingt nach Deutschland zurück. Nach Jahren als Offizier zur See auf Schiffen vor allem in der Nordsee, diente er ab 1897 auf der SMS Deutschland. Dieser Kreuzer spielte eine wichtige Rolle bei der erzwungenen Übernahme des chinesischen Hafens in Tsingtao. Gegenüber einer durch ausländische Interventionen geschwächten chinesischen Regierung erzwang das Deutsche Reich 1898, das Gebiet Kiautschou im Osten Chinas für 99 Jahre an das Kaiserreich zu verpachten. Dem Reichsmarineamt unterstellt, war dieses Gebiet zu einer deutschen Kolonie erklärt worden. Die Deutschen begannen daraufhin ihren Einfluss auf die restliche Provinz Shandong auszuweiten und bauten den Hafen von Tsingtau (heute: Quingdao). Der Hafen wurde zum Hauptstützpunkt des Ostasiengeschwaders der Kaiserlichen Marine, zu der auch die SMS Deutschland gehörte und welches vorrangig zum Schutz der deutschen Kolonien im Pazifischen Ozean diente.

An Bord der SMS Brandenburg wurde von Spee zwei Jahre später zur Niederschlagung des Boxeraufstands an die Küste Chinas nach Tijanjin geschickt, ohne dort allerdings an Kampfhandlungen teilzunehmen. Zur Niederschlagung des chinesischen Aufstandes gegen die imperialistische Einflussnahme des Westens wurde eine internationale Flotte mit zeitweise bis zu 250 Kriegsschiffen aus zwölf Kolonialmächten, darunter 24 deutsche, zusammengezogen. Auch wenn die deutschen Kriegsschiffe ihre Artillerie nicht einsetzten, waren sie doch Teil einer massiven Drohkulisse, die die Kämpfe an Land unterstützte. Mit der Einnahme Pekings 1900 und den folgenden "Strafexpeditionen", die von Massakern durch die deutschen und internationalen Truppen begleitet waren, endete die Rebellion.

Von Spee kehrte daraufhin nach Deutschland zurück, und setzte seinen steilen Aufstieg in der Marine fort: 1905 wurde er Kapitän zur See, 1910 Konteradmiral und 1913 schließlich Vizeadmiral. 1912 wurde er wieder nach Ostasien beordert, wo er zum Kommandeur des Ostasiengeschwaders ernannt wurde, das zuständig für die militärische Herrschaftssicherung in den deutschen Kolonien Kiautschou und auf den diversen Südseeinseln war. Mit Beginn des 1. Weltkriegs sollte das Geschwader im Indischen Ozean zivile und militärische Ziele der Entente angreifen. Doch machte Spee sich mit dem Großteil der Schiffe bald auf den Weg Richtung Chile, wo er der englischen Flotte erhebliche Verluste zufügte, so dass er fortan in Deutschland als Kriegsheld verehrt wurde. Schließlich schickte er im Dezember 1914 seine Schiffe, darunter fast 2000 Matrosen sowie seine eigenen Söhne, in der Schlacht bei den Falklandinseln gegen die Briten in den Tod. Auch er selbst starb in dieser Schlacht, - was in der militaristisch-gesinnten deutschen Kriegsgesellschaft des Jahres 1914 seinen Heldenstatus noch vergrößerte.

Auch wenn Maximilian von Spee keine direkte Beteiligung an Gewalttaten im Dienste des deutschen Kolonialismus nachgewiesen werden kann, so war er doch immer wieder in verantwortlicher Position bei der Marine für die Absicherung des deutschen Kolonialregimes tätig gewesen.

Text: Dr. Hanno Balz, Historiker, in Abstimmung mit der Landeszentrale für politische Bildung und dem Senator für Kultur

Service · Mara Dreßen, SfK