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Gerhard Rohlfs (1831 - 1896)

Gerhard Rohlfs wurde als Sohn eines Landarztes in Vegesack geboren. Nachdem er mehrfach die Schule abgebrochen hatte, studierte er, wie von seinen Eltern gefordert, für einige Semester Medizin. Er verließ allerdings die Universität ohne Abschluss und diente anschließend im Ausland als Soldat, desertierte aber schließlich aus der österreichischen Armee. Schließlich gelangte er 1856 mit der französischen Fremdenlegion nach Algerien, wo er an kolonialen Feldzügen teilnahm. Nach seiner vorzeitigen Entlassung nach vier Jahren Dienstzeit, gab er sein Leben als Söldner auf und lebte noch längere Zeit im Maghreb, wo er in Marokko als Militärarzt diente.

Hier begann er in den frühen 1860er Jahren als selbsternannter "Forscher" mit ausgedehnten Reisetätigkeiten, so beispielsweise 1862 in den Süden Marokkos. Bald darauf fasste Rohlfs den Plan, als Forschender das Atlasgebirge im Süden Marokkos zu überqueren, um schließlich die in Europa legendäre Oasenstadt Timbuktu, das Zentrum des Transsaharahandels, zu erreichen. Der ursprüngliche Anlass für diese Reise ins Ungewisse war, dass zuvor die Pariser Société de Géographie über 8000 Francs für eine Routenbeschreibung nach Timbuktu ausgeschrieben hatte. Allerdings musste Rohlfs diesen Plan bald aufgeben, da er südlich des Atlas-Gebirges überfallen und schwer verwundet wurde.

Sein Unternehmen war damit aber nicht gescheitert, denn auch andere Reiseziele versprachen Ruhm und lockten Geldgeber, - darunter auch den Bremer Senat. Als einer der ersten Europäer durchquerte Rohlfs die Sahara und war später auch offiziell im Auftrag der preußischen Regierung in Nordafrika auf Reisen. Sein Bruder Hermann vermittelte Rohlfs‘ Tagebücher bereits nach dessen ersten Reisen an Verleger in Deutschland, so dass Reiseberichte bald in der Zeitschrift 'Petermanns Geographische Mitteilungen', und in den folgenden Jahren in Buchform veröffentlicht wurden. Diese Reiseberichte machten ihn berühmt und wohlhabend, schließlich beförderten sie den Amateur-Geographen bis in die Reihen anerkannter Wissenschaftler. Nicht zuletzt galt er für eine breite Leserinnen- und Leserschaft in Deutschland als bekanntester Vertreter eines reisenden Abenteurers auf dem noch weitgehend unerforschten afrikanischen Kontinent.

Zu dieser Zeit erreichten geographische "Entdeckungen" ein breites Lesepublikum nicht nur in Deutschland. Aber mehr noch wurden durch die "Afrikaforscher", beauftragt von geografischen Gesellschaften, die sich vor allem aus politischen und wirtschaftlichen Interessenvertretern zusammensetzten, neue Absatzmärkte, Rohstoffvorkommen und Möglichkeiten außenpolitischer Einflussnahme gesucht. So versorgten die Forschungsreisenden nicht nur Verlagshäuser und Fachgesellschaften mit Beschreibungen der geographischen Gegebenheiten, sondern sie lieferten auch Hinweise, die für zukünftige Militäreinsätze entscheidend sein konnten. Letztlich waren sie zutiefst geprägt von der Idee einer kolonialen Mission, und bereitwillig stellten sie sich in den Dienst imperialer Ambitionen in ihren Heimatländern.

Nach seiner Rückkehr nach Deutschland setzte Rohlfs sich entsprechend vehement für den Erwerb deutscher Kolonien ein und wurde Mitglied im Deutschen Kolonialverein. Begeistert zeigte er sich in seinem Buch "Angra Pequena. Die erste deutsche Kolonie in Afrika" über den betrügerischen Landerwerb durch Adolph Lüderitz und der Gründung des "Schutzgebietes" Deutsch-Südwestafrika (dem heutigen Namibia). Vor allem lobte er die oftmals zwangsweise durchgeführten Missionierungen durch christliche deutsche Missionare. Hierzu vermerkte er in seinem vielgelesenen Buch: "Während früher die Eingeborenen als faul, geistig verkommen, diebisch etc. geschildert wurden, sind sie von den Missionaren zu sittlichen, frommen und arbeitsamen Leuten herangezogen worden." Hier zeigt sich der Propagandist der rassistischen deutschen Kolonialidee, welche durch Rohlfs großen publizistischen Einfluss Verbreitung fand.

Die letzte Station von Gerhardt Rohlfs auf dem afrikanischen Kontinent war schließlich das Sultanat Sansibar auf den gleichnamigen Inseln vor der Ostküste Afrikas (dem heutigen Tansania), wo er als deutscher Generalkonsul tätig war. Als Vertreter der Kolonialambitionen der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft, welche den Weg für die Kolonie Deutsch-Ostafrika ebnete, zeigte er allerdings wenig Geschick und gab die Stelle nach einigen Monaten wieder auf.

In den letzten Jahren seines Lebens lebte er von seinem Ruhm als Schriftsteller, "Abenteurer" und Afrikaforscher in Wohlstand. Schließlich starb er 1896 bei Bonn, sein Grab befindet sich aber auf dem Vegesacker Friedhof.

Text: Dr. Hanno Balz, Historiker, in Abstimmung mit der Landeszentrale für politische Bildung und dem Senator für Kultur

Service · Mara Dreßen, SfK