Otto Blendermann wurde 1879 in eine bürgerliche Bremer Familie geboren, - sein Vater war hier als Richter tätig. Während seines Architekturstudiums war er Mitglied in einer christlichen Studentenverbindung, entsprach also den Erwartungen des konservativ-bürgerlichen Milieus, aus dem er stammte. In Bremen machte er sich bald als Architekt einen Namen - zunächst in einer gemeinsamen Firma mit August Abbehusen, nach dem ersten Weltkrieg dann selbständig. Viele prestigeträchtige Bauten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden in Bremen von Blendermann (mit-)gebaut, so unter anderem auch das Schauspielhaus am Ostertor (das heutige Theater am Goetheplatz). Dass er offenbar kein einfacher Charakter war, wurde in der "Bremischen Biographie" wie folgt umschrieben: "Blendermann war eine profilierte, von Natur großzügige Persönlichkeit mit starker Initiative und naivem Selbstbewusstsein. (...) In seiner Seele rangen Großmut und Egoismus ständig um die Vorherrschaft."
Als beispielhaft für die politische Orientierung Blendermanns kann sein Einsetzen für die Entfernung der Skulpturen von Bernhard Hoetger ("Zyklus des Lebens unter dem Stigma der Arbeit") von der Fassade des "Volkshauses" in Walle angesehen werden. Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten 1933 hatte er einen entsprechenden Antrag an den Bremer Senat gestellt, da diese Figuren "in ihrer aufreizenden Darstellung unserem wieder gesundeten Volksempfinden nicht entsprechen".
Wie Blendermann zum deutschen Kolonialismus stand, lässt sich heute nicht mehr genau rekonstruieren, doch war er als bekannter Bremer Architekt damit beauftragt worden, das Reichskolonial-Ehrenmal in Form eines Elefanten als Backsteinbau in Bremen-Schwachhausen umzusetzen. Er verantwortete die Bauleitung dieses monumentalen Denkmals in den Diensten eines in dieser Zeit erstarkten Kolonialrevisionismus, das zwar bereits 1931 fertig gestellt, aber erst am 6. Juli 1932 mit großem Pomp eingeweiht wurde.
Die Wurzeln dieses Projekts reichen bis ins Jahr 1914 zurück, als der Münchner Bildhauer Fritz Behn (1878-1970) einen Wettbewerb zur Errichtung eines zentralen Kolonialkriegerdenkmals in Berlin gewann - mit dem Entwurf eines überlebensgroßen afrikanischen Elefanten. Der Entwurf stieß jedoch auf öffentliche Kritik und wurde zunächst zu den Akten gelegt. Erst in der Weimarer Republik wurde Behns Entwurf wieder aufgegriffen. Und so war es schließlich die Bremer Abteilung der Deutschen Kolonialgesellschaft, die 1926 einen Antrag zur Errichtung eines kolonialen "Ehrenmals" einreichte, was in Bremen eine heftige politische Debatte auslöste. Bürgerschaftsabgeordnete von SPD und KPD lehnten das Vorhaben ab und kritisierten den Bau als koloniale Propaganda, die allein einem Kolonialrevisionismus dienen sollte. Erst mit dem Erstarken der NSDAP nach den Wahlen von 1930 und mit Unterstützung konservativer Politiker wurde das Projekt 1931 genehmigt.
Nun kam Otto Blendermann ins Spiel: In einer Bürgerschaftsvorlage vom 31. Mai 1929 hieß es bereits, dass der Entwurf für das "Ehrenmal" vom Bildhauer Behn in Verbindung mit dem Architekten Blendermann stamme. Demnach war Blendermann nicht nur ausführender Bauleiter, sondern auch gestalterisch an der Konzeption beteiligt - auch ergänzte er die älteren Entwürfe durch die von ihm gestaltete Krypta.
Noch 1931 wurde das Denkmal unter Blendermanns Leitung errichtet - nahezu zehn Meter hoch und aus Ziegeln aufgemauert, finanziert vor allem durch Spenden aus der Bremer Kaufmannschaft. Es war als ideelle Überhöhung der im Ersten Weltkrieg gestorbenen deutschen "Kolonialkrieger" gedacht. An dessen Rückseite wurden zwei Plaketten mit Reliefporträts von Adolf Lüderitz und Paul von Lettow-Vorbeck angebracht, - beide waren für koloniale Verbrechen in großem Ausmaß verantwortlich.
Bei der Einweihungsfeier am 6. Juli 1932 würdigte Eduard Achelis, Vorsitzender des Bremer Zweigs der Deutschen Kolonialgesellschaft, den Architekten Blendermann ausdrücklich: Die Bauleitung habe in den Händen des "einheimischen Künstlers und Architekten Otto Blendermann" gelegen, und dessen "vollendete Lösung der gestellten Aufgabe" verdiene höchste Anerkennung. Sein Werk, so Achelis, werde "die Zeiten überdauern, Mitwelt und spätere Geschlechter mahnen, einzutreten für die großen Aufgaben, die unsere Stadt, unserem Staate, dem Deutschen Reiche gestellt sind für seine Weltgeltung und Würde."
Die Einweihung selbst wurde zu einer Machtdemonstration kolonialrevisionistischer Kräfte. General von Lettow-Vorbeck, gefeiert als "Held von Deutsch-Ostafrika", hielt in seiner alten Kolonialuniform eine reißerische Rede und forderte den erneuten Aufbau eines deutschen Kolonialregimes. Die Eröffnungsfeier geriet zu einem militaristischen Spektakel, das sogar live im norddeutschen Radio übertragen wurde.
Blendermanns architektonisches Werk, mit dem er sich bereitwillig in den Dienst der rassistischen Kolonialideologie stellte, überdauerte Krieg und Nachkriegszeit: Unter den Nationalsozialisten galt der "Bremer Elefant" neben dem Hamburger Wissmann-Denkmal als wichtigstes Kolonialdenkmal Deutschlands. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Inschriften ("Unseren Kolonien") entfernt, und erst in den 1980er Jahren, angestoßen durch die Bremer Anti-Apartheid-Bewegung, erfuhr das Denkmal erneut kritische Aufmerksamkeit. Anlässlich der Unabhängigkeit Namibias 1990 wurde es schließlich zum "Anti-Kolonial-Denk-Mal" umgewidmet - damit verwandelte sich Blendermanns Bau in sein eigenes Gegendenkmal.
Text: Dr. Hanno Balz, Historiker, in Abstimmung mit der Landeszentrale für politische Bildung und dem Senator für Kultur