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Tabakquartier

Neue Räume für Kunst und Kultur

21.09.2021
Ein Stück bremischer Industriekultur wandelt sich: Auf dem Gelände der früheren Zigarettenfabrik Brinkmann in Woltmershausen entsteht derzeit das Tabakquartier. Es handelt sich um das wohl größte innerstädtische Entwicklungsgebiet in Bremen. In den zum Teil denkmalgeschützten alten Fabrik- und Lagergebäuden entsteht ein lebendiges Viertel mit Wohnen, Arbeiten, Grünflächen – und mit Kunst und Kultur. Hinzu kommen Gastronomie, Kindertagesstätten und ein Hotel.

Für den Senator für Kultur stehen zwei Projekte im Vordergrund: das neu entstehende Zentrum für Kunst und der Umzug der Bremer Philharmoniker in die denkmalgeschützte Halle 1.

Vertragsunterzeichnung Mietvertrag des Tabakquartiers
Unterschrift des Mietvertrages mit Bürgermeister Dr. Andreas Bovenschulte (rechts) und dem geschäftsführenden Gesellschafter der Justus Grosse Real Estate GmbH, Joachim Linnemann. Foto: Justus Grosse Real Estate GmbH

Der Grundüberzeugung folgend, dass die freie Kunstszene für die kulturelle Entwicklung und die Lebensqualität einer Stadt große Bedeutung hat, ist es ein wichtiges Ziel des Kulturressorts, für deutlich verbesserte Produktions- und Arbeitsbedingungen der Akteure zu sorgen. In den 1970er und 1980er-Jahren aus dem Wunsch nach inhaltlicher wie ästhetischer Unabhängigkeit vom staatlichen oder auch kommerziellen Kulturbetrieb entstanden, verfügt Bremen in diesem Bereich über sehr aktive Akteurinnen und Akteure quer durch alle Sparten. Sie greifen wiederholt gesellschaftlich relevante Fragestellungen auf und werden so zu wichtigen Impulsgebern.

In direkter Nachbarschaft finden die Bremer Philharmoniker als das „Orchester der Stadt“ ihr neues Domizil. Das Ensemble hat sich stets als Motor der kulturellen Entwicklung Bremens verstanden und sieht hier neben der Realisierung angemessener Probenräume die Möglichkeit eines Neuaufbruchs für das Orchester.

Künstlerische Synergieeffekte, das Arbeiten in einer künstlerisch geprägten Umgebung, die enge Beziehung zwischen den Akteur*innen sowie der Austausch mit anderen Kulturträger stehen im Tabakquartier im Vordergrund.

Zentrum für Kunst (ZfK):

  • Das ZfK soll künftig bei der Förderung der freien Kulturszene in Bremen eine wichtige Rolle spielen. Professionalität und Kreativität, Entwicklungsspielraum und Eigenverantwortung sollen dort zu einer starken Einheit zusammenwachsen.
    Auf dem rund 5500 Quadratmeter großen Areal entstehen neben 20 Atelierräumen unterschiedlichen Ausmaßes zwei Theatersäle samt Backstage-Bereich, zwei Studios für technisch zeitgemäße Audio- und Videoproduktion sowie mehrere weitere Räume für Probenarbeit und Ausstellungen, veranstaltungsbegleitende Gastronomie, Büro- und Lagerzwecke.
  • Die Gründung des ZfK geht auf den im Dezember 2018 durch den Senator für Kultur vorgelegte Kulturförderbericht „Kultur in Bremen. Bestandsaufnahme. Förderleitlinien. Perspektiven“ und das begleitende Dialogformat „Denkzellen“ zurück. In Gesprächen mit den Akteurinnen und Akteuren der freien Szene wurde deutlich, dass es insbesondere an Proben-, aber auch an Aufführungsorten mangelt. Gerade für diese Szene ist es wichtig, dass man ihr Orte für eine auch kurzfristige kulturelle Nutzung zur Verfügung stellt, um für Sichtbarkeit zu sorgen und Möglichkeiten für ästhetische Experimente zu schaffen.
  • Die mit dem ZfK im Tabakquartier angestrebte Weiterentwicklung der Produktions- und Arbeitsbedingungen für die Akteure trägt der besonderen Wertschätzung für die freie Szene ausdrücklich Rechnung.
  • Ziel des ZfK ist es, den Stadtteil nachhaltig durch vielfältige kulturelle und künstlerische Nutzung zu beleben und gleichzeitig für freie Kulturschaffende ein offenes, modernes und unterschiedlich nutzbares Zentrum zu schaffen, das für viele Künstlerinnen und Künstler verschiedener Sparten eine Heimat bietet und zusätzlich die Chance eröffnet, Projekte auch gemeinsam zu entwickeln. An einem solchen Zentrum fehlt es in Bremen bisher
  • dass der Bedarf nach einem solchen Areal in der freien Szene groß ist, stellt ein wichtiges Ergebnis des Denkzellen-Prozesses dar.
  • Das Haus soll ein Treibriemen für kreative Kräfte der Stadt werden. Das ZfK stellt die künstlerische Produktion in den Mittelpunkt. Es dient der optimalen Umsetzung künstlerischer Ideen der Produzentinnen und Produzenten und fördert deren Belange. Das Haus bietet hierzu für die Szene(n) temporäre Arbeitsmöglichkeiten. Diese Räume dienen der Realisierung von Produktionen, die zum Ende der Produktionsphase im Hause gezeigt werden. Mit seinen räumlichen und technischen Gegebenheiten schafft das ZfK die Voraussetzung für qualifizierte künstlerische Arbeit.
  • Für die dort arbeitenden Künstlerinnen und Künstler soll ein Rahmen geschaffen werden, in dem sie ihr Schaffen im jeweiligen Metier weiter professionalisieren und die Bremer Kunstszene mit nationalen und internationalen Netzwerken verbinden können. Die fortlaufenden Produktionsprozesse im ZfK involvieren weitere Kunstschaffende lokal und überregional, indem sie die residierenden Kolleginnen und Kollegen konkret an den Projekten beteiligen. Sie führen zu mannigfaltigen Kooperationen und folglich zur deutlichen Vergrößerung des Netzwerkes innerhalb und außerhalb Bremens.
  • Das Haus bietet die Möglichkeit, Produktionen über einen Zeitraum von mehreren Wochen zu zeigen beziehungsweise das künstlerische Wirken in einem etablierten Ausstellungsformat regelmäßig zu präsentieren. Das eröffnet den Akteurinnen und Akteuren wichtige Impulse zur Professionalisierung auch im unternehmerischen Bereich künstlerischen Tuns. Auf diese Weise bietet das ZfK Akteurinnen und Akteuren die Möglichkeit, sich als kunstschaffende Persönlichkeiten im besten Sinne zu profilieren und sich auf überregionale Schritte vorzubereiten.
  • Das ZfK repräsentiert hierbei die künstlerische Bandbreite Bremens. Es wird einen spürbaren Effekt auf die Erhöhung der Qualität künstlerischer Arbeit in Bremen haben. Sein Einfluss wird nachhaltig und spartenübergreifend sein. Die Arbeiten, die in diesem Haus entstehen, sollen divers sein. Entscheidendes Kriterium für die dort produzierte und präsentierte Kunst ist die künstlerische Fertigkeit der hier arbeitenden Akteurinnen und Akteure sowie die gesellschaftliche Relevanz beziehungsweise der gesellschaftliche Kontext ihrer Produktionen bzw. Werke.
  • Das ZfK im Stadtbezirk Woltmershausen wird sich damit in die programmatischen Angebote der Schwankhalle im Buntentor, der Bremer Shakespeare Company und des Schnürschuhtheaters einfügen und die Neustadt zu einem kulturellen Kraftzentrum machen. Das Haus soll bis zu 120 Veranstaltungen mit darstellender Kunst und mindestens zwei Ausstellungen pro Jahr realisieren.

Bremer Philharmoniker

  • Neben dem ZfK entsteht im Tabakquartier eine neue Heimat für die Bremer Philharmoniker. Die Bremer Philharmoniker sind das „Orchester der Stadt“ und bilden seit rund 200 Jahren eine, wenn nicht die tragende Säule des bremischen Musiklebens. Zu den Aufgaben zählen neben dem Orchesterdienst im Theater Bremen pro Spielzeit etwa 28 Philharmonische Konzerte sowie diverse Kammerkonzerte und Sonderformate. Hinzu kommen vielfältige Aufgaben der Musikvermittlung in der eigenen „Musikwerkstatt“.
  • Bisher proben die Bremer Philharmoniker in ihrem bisherigen Domizil, welches aber unter künstlerischen und akustischen Gesichtspunkten keine geeignete Vorbereitung auf Konzerte mit großer Orchesterbesetzung erlaubt.
  • Nach den Plänen soll das Ensemble in die denkmalgeschützte Halle 1 des ehemaligen Brinkmann-Areals einziehen. Der Investor plant, das Proben- und Veranstaltungsgebäude mietfertig für die Philharmoniker herzustellen und dabei alle Ausstattungsmerkmale für den Proben- wie den Konzertbetrieb einzubeziehen. Die neuen Räumlichkeiten enthält u.a. einen Saal für bis zu 380 Plätzen und kann auch von anderen Akteuren genutzt werden.
  • Die Saalgröße ist in Bremen nahezu einmalig. Zudem strebt der Investor an, akustische Vergleichbarkeit zum Konzerthaus Die Glocke, dem Hauptspielort der Philharmoniker, herzustellen.
  • Die Ansiedlung der Bremer Philharmoniker fügt sich nahtlos ein in das angestrebte Ziel, mit kultureller Nutzung für ein lebendiges Quartier zu sorgen. Das Orchester arbeitet, probt, konzertiert und lebt quasi mittendrin und wird zum Mittelpunkt der Begegnung und des Austausches
  • Im Kontext mit den Räumlichkeiten der freien Szene, dem alten Heizwerk und der gesamten Einbindung in ein kulturelles Gesamtkonzept entsteht für die Bremer Philharmoniker im Tabakquartier ein unschätzbarer Nutzungsmehrwert, der einerseits die räumlich-akustischen Probenanforderungen erfüllt, andererseits die zukunfts-fähige Aufstellung des Klangkörpers mit zeitgemäßen Maßnahmen des Audience Developments überhaupt erst möglich macht.