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Einzelausstellung Passing Snow von Gunther Gerlach in der Städtischen Galerie

Passing Snow, 2026, Handkamera Collage Kurzfilm
Passing Snow, 2026, Handkamera Collage Kurzfilm. Foto: Gunther Gerlach, Hervé Maillet

Die Einzelausstellung des Bremer Künstlers Gunther Gerlach stellt seine bildhauerischen Holzarbeiten und aktuelle Übermalungen älterer grafischer Serien ins Zentrum. Mit einer Vielzahl einzelner Holzstelen interveniert der Künstler in unterschiedlichen Formanordnungen im Ausstellungsraum der Städtischen Galerie Bremen vom 16. August bis zum 18. Oktober. Er nutzt dabei besondere architektonische Merkmale des Raumes und stellt Bezüge mittels und zu seinen Skulpturen her, die raumanalytisch und raumerschließend in den Ausstellungsraum zurückwirken.

Ausschnitt Konstellage Going Fishing, 2026, 10 Hölzer
Ausschnitt Konstellage Going Fishing, 2026, 10 Hölzer. Foto: Gunther Gerlach

Der Unterschied zwischen Gruppen vertikaler Setzungen der Holzstelen und einer horizontalen Anordnung als Bodenarbeit bedingt sich bei diesen Bezugnahmen und Interventionen vor allem in der jeweiligen Raumerfahrung, die dem Publikum angeboten und vermittelt wird. Dies geschieht wesentlich durch funktionale bzw. figürliche Assoziationen, die einzelne Holzskulpturen nahelegen, obwohl sie eigentlich abstrakt bleiben und zuerst auf ihre grobe, gestisch-informelle Bearbeitung und die dabei sichtbaren genuinen Materialqualitäten rekurrieren. Dass wir im Raum in einem Holzstelenensemble eine Figurengruppe und in einer Reihe gelegter Stelen eine Schwelle, eine Begrenzung sehen, entsteht umgekehrt dadurch, dass die Skulpturen so deutlich ortsspezifische architektonische Raumelemente betonen und bewusst machen. Die Säulen, die hohen Wände, die Industriebaudecken, Fenster, Raumwinkel und Durchgänge fügen sich in eine Narration von Gunther Gerlachs Skulpturen ein.

Aus der Reihe Falsches Tarot, 2024, übermalte Radierungen, je 60 x 80 cm
Aus der Reihe Falsches Tarot, 2024, übermalte Radierungen, je 60 x 80 cm. Foto: Hervé Maillet

Hierzu trägt der materielle Gegensatz des oft mit schwarzer oder weißer Farbe getönten Holzes bei, der auch für die kontraststarken Übermalungen gigantischer Stahlschnittserien gilt, deren Drucke auseinandergeschnitten wurden. Hier ist die Figuration sehr deutlich und Betrachtende werden sinnlich in tiefschwarzen mit scheinbar symbolischen Bemalungen versehenen Bildwerken vereinnahmt. Diese wandfüllenden Bildkonfigurationen stellen den Holzstelen eine narrative Lesart zur Seite, die wir bereitwillig übernehmen und die lyrischen Qualitäten der Kunstwerke betont, die Gunther Gerlach auch in Gedichten und Zeichnungen entfaltet.

Der Titel - der auch der Titel eines Kurzfilms in Kooperation mit dem Fotografen Hervé Maillet ist, der in einem Screening während der Ausstellung vorgestellt wird - verweist auf die poetische Kategorie einer vorübergehenden Schönheit, eines besonderen Moments im aggregatischen Zwischen, das wir im Schnee erleben und das eine ästhetische, sinnliche Qualität der künstlerischen Position Gunther Gerlachs ist.

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